Hallo Klaus,
mein erstelltes Simulationsbeispiel zielte nur darauf ab, zu zeigen, wie man Netzstörungen simulieren kann.
Es ist natürlich nicht möglich, sämtliche möglichen Störungen mit diesem Beispiel allein zu erfassen.
Allerdings kann man durchaus angepasste Simulationen durchführen, wenn man die Art der Störquelle kennt.
Du hast u.a. die Schaltnetzteile als Störer erwähnt. Dazu möchte ich ergänzen, dass man ein Schaltnetzteil mit LTspice testen kann, wenn man an den Eingang eine genormte Netznachbildung, auch LISN (Line impedance Network) genannt, anhängt. Diese Netznachbildung lässt sich ebenfalls mit LTspice aufbauen. Tut man das, lässt sich a) das leitungsgebundene Störspektrum aufnehmen, um zu sehen, ob und b) welche Entstörmaßnahmen erforderlich sind. In der Regel gibt es zwei Arten von Störquellen, nämlich die Gleichtaktstörungen und die Differenztaktstörungen. Mit den Gleichtaktdrosseln (common mode choke) lassen sich nur die Gleichtaktstörungen bekämpfen, was für die Entstörung eines Schaltnetzteiles nicht ausreicht. In der Regel benötigt man eine Kombination aus Gleichtakt/- und Differenztaktdrosseln, zusammen mit X-Kondensatoren und Y-Kondensatoren (mit Masse-Bezugspunkt). Bisweilen sind sogar mehrstufige Anordnungen erforderlich, um normgerechte Ergebnisse zu erzielen.
Wichtig! Mit LTspice kann man nur die leitungsgebundenen Störungen simulieren. Diese werden durch hochfrequente Schaltvorgänge erzeugt und an die Netzleitungen und an die Masseleitung abgegeben. Abgestrahlte Störungen , die sich im höheren MHZ-Bereich > vom Störer in die Umgebung < ausbreiten, lassen sich nicht simulieren.
Ebenfalls interessant: Die Norm EN 61000-3-2 verlangt auch bei Leistungen ab ca. 75W (evtl. wären neue Anforderungen zu überprüfen) die Einhaltung der "niederfrequenten" harmonischen Oberwellenanteile. Stichwort: Power Factor.
Die Webinars von Würth sind - wie von Dir erwähnt - empfehlenswert, neben vielen anderen Quellen.
Das Gebiet der Funkentstörungen, auch EMV für Elektromagnetische Verträglichkeit genannt, ist sehr umfangreich. Man hat sich die Frage zu stellen: Stört "mein Gerät" die Umgebung, oder die Umgebung "mein Gerät".
mfG
Udo